Bürgeraufstände - Machtkämpfe in den Städten

Bürgeraufstände - Machtkämpfe in den Städten42:01

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Veröffentlicht am:

20.9.2023

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Herzlich willkommen zu Geschichtswenster.

Mein Name ist André und heute geht es um Bürgeraufstände.

Ich habe schon Videos über Städte gemacht, aber wir finden eigentlich in allen Städten früher oder später Konflikte.

Entweder gegen den Stadtherrn oder Konflikte innerhalb der Stadt zwischen zum Beispiel den Patriziern und den Handwerkern.

Und wie die ablaufen könnten, da schauen wir heute mal rein.

Ich habe verschiedene Beispiele.

Und das Buch, das ich heute vorstellen möchte, das passt ganz besonders gut dazu, denn es geht genau um das Thema.

Letztlich kann man sogar sagen, es war meine Blaupause für dieses Video.

Aufstand der Pfeffersäcke.

Ich bin mit dem Titel nicht so zufrieden.

Pfeffersäcke ist so ein Wort, das da eigentlich gar nicht reinpasst.

Bürgerkämpfe im Mittelalter, aber es zeigt noch mehr Beispiele, als ich jetzt habe.

Wirklich schön ausgewählte Beispiele von verschiedensten Arten von Bürgerkämpfen.

Gut zu lesen, gut gemacht, kann ich wirklich empfehlen.

Und wie immer könnt ihr auch welche gewinnen und ich werfe ganze vier davon in die Menge.

Also wer eins haben möchte, schreibt bitte unten in die Kommentare, dass ihr eins haben wollt.

Könnt was Nettes schreiben, ihr kennt das Spiel.

Und ich hoffe, ihr habt an dem Buch so viel Spaß wie ich.

Für unser erstes Beispiel gehen wir sehr weit zurück ins Hochmittelalter.

Ich will was über Köln erzählen, wobei wir erst einen kleinen Ausflug nach Worms machen.

1073 vertreibt die Bürgerschaft von Worms ihren Bischof, rückt bewaffnet aus, um Heinrich IV.

zu empfangen.

Der ist mitten im Investiturstreit, hat gerade größte Probleme, seine Adeligen erheben sich gegen ihn und die Stadt Worms stellt sich demonstrativ auf seine Seite, bietet ihm ein Machtzentrum, von dem aus er agieren kann und als Dank erhält Worms Privilegien.

Befreiung von Reichszöllen.

Das ist das erste Mal, dass er eine Stadt solche Privilegien bekommt.

Und Worms ist dann auch eine der ersten Städte, die so etwas wie eine bürgerliche Selbstverwaltung zeigt.

Das ist tatsächlich relativ einzigartig zu dieser Zeit.

Ein Jahr später, in Köln, also 1074, da gibt es die Ereignisse, die ich euch erzählen möchte.

Köln ist eine sehr, sehr alte Stadt, ist eine römische Gründung und schon seit dem 4.

Jahrhundert gibt es dort einen Bischof.

So mit den Otonen hatten wir letztens ja Heiliges Römisches Reich.

Die Otonen mit ihrer Reichskirche werten vor allen Dingen die Erzbistümer sehr, sehr auf.

Auch der Erzbischof von Köln wird da aufgewertet.

Und wir haben eigentlich seit der, auch in der Spätantike, im frühen Alter durchgehend Köln als einen wichtigen Faktor, als eine wichtige Stadt.

Das städtische Leben erliegt nie ganz.

Und der Aufbau der Städte in der Zeit, also im 11.

Jahrhundert, ist noch deutlich anders, als wir das später haben werden.

Später kennen wir natürlich, es gibt einen Rat, es gibt Bürgermeister, es gibt Zünfte, davon haben wir noch gar nichts.

Alle Bewohner einer Stadt wie Worms oder eben Köln sind letztlich Unfreie des Erzbischofs.

Wir haben noch keine Patrizia, wir haben noch keine reichen Kaufleute, selbst die reichen Kaufleute, die wir haben, sind unfrei.

An der Spitze der Pyramide so einer Stadt stehen die Ministerialen, die Dienstleute des Bischofs sind ebenfalls unfrei.

In einigen Städten können wir dort durchaus Traditionen bis in die Antike ziehen, also sind tatsächlich dieselben Traditionen.

Familien, die schon zu römischen Zeiten wichtig waren, sind dann als Dienstfamilien des Bischofs immer noch wichtig und diese Ministerialen erfüllen im Prinzip alle höheren Ämter.

Sie kontrollieren das Münzwesen, Markt- und Gewerbeaufsicht, die Sicherheit der Stadt, Steuern und Justiz.

Darunter gibt es dann die Schicht der Schöffen.

Die wird noch ganz wichtig.

Die Schöffen sind die Beisitzer dieser Ministerialen.

Also wenn ein Ministerial ein Richteramt hat, dann sind die Schöffen die Beisitzer und das ist die Elite der restlichen Stadt.

Das ist das, woraus später die Geschlechter, die Patrizia hervorgehen werden.

Bürger im heutigen Sinne oder wie wir es auch im Spendenalter benutzen, gibt es gar nicht.

Gibt es keine.

Also auch sowas wie Bürgerei oder sowas ist noch in weiter Ferne.

Und diese Unfreien, die Bewohner sind immer noch zu den üblichen Abgaben und Diensten, die Unfreie sie haben, verpflichtet.

Also sie müssen Kopfzins zahlen, sie müssen Todfallabgaben zahlen.

Wenn einer stirbt, gibt es ja empfindliche Abgaben an den Herrn.

Es gibt Heiratsgebühren.

Letztlich kann auch der Herr darüber entscheiden, wen man überhaupt heiratet.

Und selbst Frohendienste haben wir in der Stadt immer noch.

Dann gibt es noch einen Sonderfall dieser Unfreiheit.

Es gibt die Zensualen.

Die haben als Verpflichtung nur noch die finanziellen Abgaben.

Die müssen nur noch Geld bezahlen, haben keine Frohendienste oder so etwas mehr.

Und dieser Status als Zensuale ist begehrt.

Wir haben immer wieder Freie, die sich freiwillig in den Status eines Zensualen begeben.

Denn als Unfreier genießt man natürlich Schutz.

Als unfreier Bewohner Kölns genießt man den Schutz des Bischofs.

Eigentlich.

Der Bischof im Jahr 1074 ist Arno II.

Der ist in der Politik seiner Zeit schon relativ wichtig.

Der versucht zum Beispiel einen netten kleinen Staatsstreich.

Der lockt den jungen, noch minderjährigen Heinrich IV.

auf ein extra dafür prächtig ausgestattetes Schiff.

Und als er an Bord ist, legt er ab, entführt ihn mehr oder minder nach Köln.

Er versucht noch durch den Sprung den Fluss zu retten.

Wird aber wieder eingesammelt und wird dann die nächsten zwei Jahre fern von seiner Mutter, die eigentlich die Geschäfte für ihn geführt hat, ausgebildet.

Kaum wird er dann mit seiner Schwertleite volljährig, will er auch schon gegen seinen ehemaligen Lehrer Amno II.

zu Felde ziehen.

Das Betreue hindern ihn mehr oder minder daran und es kommt dann doch nicht direkt zum Krieg.

Aber dieser Amno II.

ist schon sehr heftig in der Reichspolitik.

Es eskaliert in Köln, als dieser Erzbischof als Gast den Bischof von Münster bewirtet.

Und um ihm eine angenehme Heimfahrt zu ermöglichen, lässt er ein Schiff im Hafen beschlagnahmen.

Das Schiff eines Kaufmanns, das schon fertig beladen für eine Kauffahrt ist.

Und letztlich darf er das, denn dieser Kaufmann ist sein Unfreier.

Er ist verpflichtet, sein Gut seinem Herrn zur Verfügung zu stellen, wenn der das will.

Das lassen sich aber nicht gefallen.

Die Knechte dieses Kaufmannes verhindern das Beschlagnahmen.

Der Sohn dieses Kaufmanns kommt dazu.

Es kommt zum Handgemenge.

Man versucht das Ganze noch zu schlichten durch einen Vermittler.

Aber der Bischof droht dann mit Rache und mit gerichtlichen Folgen.

Und das bringt im Prinzip das Fass zum Überlaufen.

Es kommt zum Aufstand, die Kölner Bürger stürmen die Residenz des Bischofs.

Der flüchtet mit seinen Gästen in den alten Dom, also nicht den Dom, den wir heute kennen, sondern den Vorgängerbau.

Und der wird regelrecht belagert.

Es gibt auch eine Quelle dazu, die beschreibt, dass der Eingang des Doms mit Mobiliar und selbst herbeigerollten Felsen verrammelt wird.

Und wie gesagt, es ist eine regelrechte Belagerung.

Es gibt auch noch Übergriffe gegen Kleriker, die dem Mob in die Hände fallen.

Und der Erzbischof auf Rat seiner Getreuen flieht schließlich aus der Stadt, erst aus der Kirche in den Schlafsaal des Domstiftes, von da in den Innenhof und ins Haus eines Kanonikers und dann zur Stadtmauer, wo er durch eine Pforte entkommen kann, die auch heute noch gezeigt wird.

Ob sie wirklich ist, weiß natürlich kein Mensch.

Vor der Stadt warten Getreue auf ihn und bringen ihn in Sicherheit.

Vier Tage später steht er dann mit einem kleinen Herr, vor allem auch Bauern aus dem Umland, aber auch ihm getreue Adlige vor der Stadt und er zwingt die Aufgabe.

Die Strafen, die er verhängt, sind sehr drakonisch.

Die Redelsführer werden geblendet, die Stadt wird mit Kirchenbannen belegt, es gibt hohe Geldstrafen und erst kurz vor seinem Tod nimmt er einen Teil der Geldstrafen wieder zurück.

Der Versuch, sich gegen den Bischof aufzulehnen, ist erstmal gescheitert.

Man könnte jetzt eigentlich denken, die Kölner sind unterlegen.

Sie kommen nicht weiter.

Aber schon relativ kurz danach, 1106, stellt sich die Stadt im Streit zwischen Heinrich IV., der Junge auf dem Schiff, der Bekannte mit dem Gang nach Canossa, und seinem Sohn Heinrich V. auf die Seite Heinrichs IV.,

Erhält das Recht eine neue, oder die Billigung, ist nicht mal ein Recht, die Billigung eine neue Stadtmauer zu bauen, was dann die Wehrhoheit des Erzbischofs ankratzt, denn der ist eigentlich als Stadtherr der, der darüber entscheidet.

Und, ähm.

bekommt so im Prinzip in kleinen Schritten die ersten städtischen Rechte.

Es gibt zu der Zeit dann auch schon, wann es genau aufkommt, weiß man wieder nicht aus den Quellen, ein Schöffenkolleg, also die benannten Schöffen haben sich zusammengeschlossen und die werden mehr eine Vertretung der städtischen Interessen.

Im 1114 schließt die Stadt sich dann mit dem Erzbischof und anderen niederrheinischen Adlingen zu einer Schwurgemeinschaft zusammen, gegen Heinrich V., wofür der Erzbischof ihnen das Recht ein Siegel zur Führung verleiht.

Das ist dann tatsächlich so der Beginn des Stadtrechtes.

Zu der Zeit gibt es die sogenannte Riecherze.

Ich habe keine Ahnung, ob ich das richtig ausspreche.

Wahrscheinlich muss ich irgendwie Kölsch aussprechen.

Aber das Riecherze ist eben genau eine Erweiterung des Schöffenkollegs.

Und damit haben wir jetzt aus dieser städtischen Elite ein Gremium, das letztlich die Amtsgeschäfte führt.

Es werden zwei Bürgermeister eingesetzt, der jeweils ein Schöffe und ein Nicht-Schöffe sein müssen.

Und so haben wir, obwohl der Kampf verloren gegangen ist,

peu à peu eine städtische Verwaltung.

Sehr, sehr früh, wir werden gleich sehen, in anderen Städten ist das viel, viel später.

Und man kann da schon sagen, in den Bischofsstädten kommt diese Selbstverwaltung deutlich früher als in den Königsstädten oder anderen Landstädten, denn der Kaiser oder der König ist sehr viel großzügiger in Städten der Bischöfe mit solchen Rechten als in seinen eigenen.

Frankfurt am Main, also eine Königstadt, bekommt diese Selbstverwaltung erheblich später.

Erst im 14.

Jahrhundert können wir nachweisen, dass wir dort eine funktionierende Selbstverwaltung haben, also über 200 Jahre später als in der Bischofsstadt Köln oder in der Bischofsstadt Worms.

Ein anderes Beispiel, wie es völlig anders laufen kann, ist Leipzig.

Im 11.

Jahrhundert wurde im Rahmen der Expansion der ottonischen Kaiser an die Elbe nahe der slavischen Siedlung Lipsk, das heißt so viel wie Platz bei den Linden, eine Burg errichtet.

Um diese Burg herum bilden sich dann so diverse Siedlungszentren.

Zwischen 1156 und 1170 wird dann eine Stadtgründung vorgenommen und zwar durch Markgraf Otto dem Reichen.

Der fasst das im Prinzip zusammen, legt neue Parzellen zur Besiedlung fest und ab dann haben wir im Prinzip das, was später mal die Stadt Leipzig werden wird.

Um 1215 haben wir dann einen Stadtbrief.

Der ist dann entstanden, die darin beschriebenen Rechte sind vermutlich älter.

Der ist auch winzig klein und doppelt beschrieben, also fast ein Bierdeckel mit Stadtrechten.

Aber wie so oft bei solchen Urkunden verschriftlicht er vermutlich Dinge, die längst mündlich abgesprochen gewesen sind.

Der gewährt Stadtrecht nach Hallichem und Magdeburger Recht.

Abgabefreiheit legt ein Vogt und ein Schultheisen fest und legt fest, dass 15 Kilometer um die Stadt herum kein Markt abgehalten werden darf.

Darin ist natürlich die Rede von einer Meile, das ist umgerechnet, also nicht die spätere Meile, das ist umgerechnet 15 Kilometer.

Von Kilometer ist natürlich keine Rede.

Außerdem lässt der Markgraf um diese Siedlung einen Grabenwall errichten.

1168 gibt es dann Silberfunde in der Nähe, Harzer Bergleute werden ins Land geholt und Leipzig wächst.

Liegt an zwei wichtigen Handelsstraßen, hat den Silberbau, es geht der Stadt ziemlich gut.

1213 kündigt dann der neue Markgraf, der Sohn von Otto dem Reichen Dietrich, auch Dietrich der Betränkte genannt, weil er eigentlich immer in Schwierigkeiten steckte,

an ein Augustiner Chorherrnkloster zu gründen, nämlich St. Thomas, das ist heute ziemlich bekannt.

Und dem sollen nicht nur mehrere Dörfer aus dem Umland der Stadt angegliedert werden, sondern auch die beiden Leipziger Gotteshäuser St. Nikolai und die Peterskapelle sollen ihm unterstellt werden.

Dazu will er die städtische Burg ausbauen lassen, was die Leipziger beides als Affront sehen.

Ihre wachsende Selbstverwaltung wird im Prinzip angekratzt.

Es kommt zu Auseinandersetzungen zwischen der Stadt und Ministerialen, die sich auf ihre Seite stellen und den Vasallen Dietrichs, das Betränkten, auf der anderen Seite.

Es gibt auch eine kurze Belagerung.

Letztlich gibt aber 1216 der Markgraf nach, nimmt einen Schiedspruch an und schwört Urfede.

Urfede ist so die übliche Beendigung einer Fede.

Urfede bedeutet, man nimmt die Fede nicht wieder auf, man schwört, es ist vorbei.

Es ist aber für ihn nicht vorbei.

Er will zurückschlagen und nutzt dabei einen wirklich cleveren Trick.

Er überredet den in Altenburg weilenden König Friedrich II., der Staufer, zu einem Besuch nach Leipzig.

Und natürlich können die Leipziger dem König, später dem Kaiser, die Tore nicht verschlossen lassen.

Sie müssen sie natürlich öffnen.

bitten sich auch aus, dass ein kleines Gefolge einreitet, weil sie durchaus misstrauisch sind.

Der Markgraf lässt aber seine Leute durch verschiedene Tore langsam einsickern.

Die sollen sich Zimmer nehmen, quasi als bei Gastwirten, wobei Gastwirt, da denkt man jetzt an...

Kneipenwirte oder Tavernen.

Hier kann man eher davon aussehen, dass das Bürger sind, die sie aufnehmen.

Aber sie sollen sie eben bei Wirten einmieten.

Sie entfernen heimlich die Klöppel der städtischen Glocken, damit kein Alarm gegeben werden kann.

Und zu einem verabredeten Zeitpunkt nehmen sie ihre Wirte gefangen.

Erleichtern die auch im Hab und Gut.

Also durchaus kann man sagen, es ist ein Überfall.

Und übernehmen die Stadt.

Also die Leipziger werden überrumpelt und Dietrich der Betränkte lässt Teil der Stadtbefestigung schleifen und in der Stadt drei befestigte Häuser errichten.

Quasi Zwingburgen in der Stadt, um die Kontrolle zu erhalten.

Schon 1224, also wir haben dasselbe wie in Köln, der Landesheer hat sich erstmal durchgesetzt, aber auch hier schon 1224 nach dem Tod des Margrafen erheben sich die Leipziger erneut, zerstören die Zwingtürme.

Leipzig bleibt dauerhaft unter Kontrolle der Bettina.

Es wird keine freie Stadt wie andere Städte, aber die Leipziger machen kleine Schritte, erreichen dennoch eine Ratsherrschaft, Bürgermeisteramt, Siegel, Münzrecht und so weiter.

Ist ein anderer Fall als bei einer Stadt wie Köln.

Köln schafft es übrigens sehr spät, freie Reichstadt zu werden.

Leipzig nominell wird das nie, kann aber lange Zeit wie eine solche Stadt agieren.

Erst im 16.

Jahrhundert fällt Leipzig dann auch wieder unter die Kontrolle der Stadtherren.

Oder der Landesherren.

Wie dann...

Diese Konflikte zwischen Stadt und Landesherren, zwischen Oberhaupt, haben wir tatsächlich vom 11. bis ins 30.

Jahrhundert relativ regelmäßig.

In den kaiserlichen, beziehungsweise königlichen Städten natürlich wenig, denn sich mit dem Kaiser anzulegen ist gar keine gute Idee.

In den Bischofsstädten durchaus, auch in Städten von Territorialadlingen wie dem Magra von Meißen ist natürlich eine andere Sache, denn da können die Städte durchaus den Kaiser auf ihrer Seite wissen, wie wir es zum Beispiel bei Worms gesehen haben.

Vor allem, weil die Städte auch nach und nach ein Machtzentrum des Kaisers werden.

Das werden wir vor allem im 14.

Jahrhundert sehen.

Letztens bei den Städtebünden bin ich darauf schon mal eingegangen, dass der Kaiser da immer hin und her laviert zwischen den Interessen seiner Städte.

Fürsten, die natürlich darauf drängen, dass die Städte im Zaum gehalten werden und Unterstützung der Städte, weil sie im Konflikt mit den Fürsten natürlich auf seiner Seite stehen und wie zum Beispiel beim Süddeutschen Städtebund auch einen wirklich massiven Machtfaktor bilden können.

In Köln sehen wir dann den nächsten Schritt, da sehen wir die innerstädtischen Konflikte, denn es gibt natürlich nicht nur den Konflikt mit dem jeweiligen Oberherrn, dem Stadtherrn, sondern es gibt auch Konflikte innerhalb der Stadt.

In Köln, die Bettziechenweber, also die, die die Bettwäsche machen, also im wahrsten Sinne des Wortes, bilden die erste Zunft.

Ist eine Interessensvertretung weniger gegen den Stadtherrn als vielmehr gegen die als unzulänglich empfundene Regierung der Richterzeche.

Richterzeche, schlimmes Wort, der Richterzeche.

Die bildete mittlerweile den engen Rat, bestehend aus 15 Mitgliedern, dessen Mitgliedschaft ist auf ein Jahr beschränkt.

Zwei Jahre darf man nicht wiedergewählt werden und trotz dieser Vorsichtsmaßnahme quasi machen wenig Familien die Sitze unter sich aus.

Also man lässt sich wählen, hat dann ein Jahr Amtszeit, wobei das versetzt gewählt wird.

Immer alle halbe Jahr wird der halbe Rat neu besetzt, sodass die erfahrenen Ratsleute den neuen Ratsleuten zur Seite stehen können.

Aber es sind immer dieselben Familien, die dadurch arbeiten.

Dazu gibt es ja noch den Weiten Rat, in dem sitzen 82 Ratsherren, aber auch da haben Personen außerhalb der Geschlechter wenig Einfluss.

Aus den ehemaligen Schöffen, Ministerialen und Ähnlichem sind mittlerweile die Geschlechter geworden, haben sich deutlich Freiheiten erarbeitet, sind längst nicht mehr so unfrei, wie sie 200 Jahre vorher noch gewesen sind.

Und die Geschlechter sind das, was wir heute als Patrizia bezeichnen.

Patrizia ist kein zeitgenössisches Wort, Geschlechter ist ein zeitgenössisches Wort und man kann durchaus sehen, dass wir es da mit einer Art Stadtadel zu tun haben.

Zum Beispiel 1288 bei der Schlacht von Bochingen, das ist so ein ganz wichtiger Konflikt zwischen

Eigentlich ist es kein Kölner Konflikt, eigentlich ist es ein Konflikt anderer Adliger, aber der Erzbischof von Köln steht auf der einen Seite, die Kölner Bürger stehen auf der anderen Seite und in der Schlacht von Bochingen stehen Kölner Patrizier im Feld, ebenso wie Kölner Bürger.

Aber die Patrizier reiten auch wie Ritter aufs Feld.

Einer von ihnen stellt sich dann zu Fuß an die Spitze der Kölner Bürgerschaft.

Und da erringen sie einen wichtigen Sieg, der ihnen auch Unabhängigkeit bringt.

Und dementsprechend um 13.06 Uhr...

Im 14.

Jahrhundert, worum es gerade geht, spielt der Erzbischof als Stadtherr nur noch eine unterordnete Rolle.

1306 wird dann eine Gaffel gegründet.

In Köln ist da eine Besonderheit in der Zunftverfassung, denn wir haben es nicht nur mit Zünften zu tun, die gab es auch.

Vor allem haben wir es mit den Gaffeln zu tun.

Die Gaffel sind eine Art Superzunft.

In sehr wenigen Fällen bestehen sie aus einer Zunft, meistens bestehen sie aus mehreren Zünften, die sich zusammengeschlossen haben.

Auch einzelne Bürger sind darin organisiert.

Und da haben wir schon so einen Versuch, die Macht dieser Geschlechterregierung einzudämmen.

Das dauert allerdings noch ein bisschen länger.

1367 kommt Bewegen in die Sache.

Dem Ratsmitglied Hirzlin vom Krien wird vorgeworfen, Gelder unterschlagen zu haben.

Und auf Druck der Gaffeln wird er dafür am 20.

Mai 1369 enthauptet.

Ein gleichzeitig gefangener Straßenräuber wird vom aufgebrachten Mob vor allem aus Webern aus dem Gefängnis geholt und auch gelünscht.

Die Weber sind jetzt für Köln eine ganz wichtige Sache.

Die Weber sind ein wichtiges Rückgrat der Wirtschaft und es gibt auch durchaus wohlhabende Weber.

Es gibt andere Städte, wo Weber mit die ärmsten Handwerker bilden.

In Köln ist das tatsächlich anders.

Und die Weber nehmen eben den Schwung, den sie jetzt haben.

Und 1370 wird auf Druck der Weber eine neue Ratsverfassung eingeführt.

Im inneren Rat sollen zwar immer noch Patrizier sitzen, allerdings keine Schöffen mehr.

Also dieser alte Schöffenstand, das ist immer noch ein Punkt, der wird rausgenommen.

Und der auf 42 Mitglieder verkleinerte Weiterat soll nur noch aus Kaufleuten und Handwerkern bestehen.

Also sie wollen sich in die Stadtregierung bringen.

Das ist ein Konflikt, den wir ganz oft haben, dass die Handwerker Anteile an der Stadtregierung fordern.

1371 erreichen dann die Zünfte Unterführung der Weber, dass drei Gesandte, die zum Landfriedenstag gesandt wurden, verhaftet werden, weil sie angeblich als Akt der Vetternwirtschaft einem Kölner Ritter, der mit der Stadt Köln in Fede liegt, Zugeständnis gemacht hätten.

Das Ganze nimmt fast revolutionäre Ausmaße an und am Ende sitzen acht der 15 Ratsherren in Haft.

Die Weber errichten eine neue Stadtregion, die agiert allerdings sehr ungeschickt, verprellt mehrere andere Zünfte.

Sie erheben eine Verbrauchsteuer auf Wein, eine Vermögenssteuer und generell sind die Beschlüsse deutlich Weber-freundlich und andere Zünfte fühlen sich benachteiligt.

In der Fede zwischen Jülich und Brabant kämpfen zwei Weber mit, obwohl die Stadt Köln, um nicht in diese Fede hineingezogen zu werden, das ausdrücklich verboten hat.

Einer davon, Henken von Turne, kommt zurück in die Stadt, prahlt mit seiner Beute, wird verhaftet und zum Tode verurteilt, weil er sich gegen die städtische Verordnung widersetzt hat.

Die Weber befreien den zum Tod Verurteilten mehr oder weniger willkürlich und das bringt das fast zum Überlaufen.

Am 20.

November 1371 schlagen die Ratsherren und die Gaffeln, davon gibt es mittlerweile mehrere, zurück.

Sie haben Unterstützung durch angeworbene Söldner aus Meißen und sie marschieren mit der Stadtfahne auf den Versammlungsort der Weber.

Die weichen zurück, stellen sich aber dann nahe der Kamelit der Kirsche zur Schlacht.

Es kommt in Köln zu einer Regelrechtsschlacht.

Hier sieht man ein Bild aus der späteren kühlaufischen Chronik, ist also nicht zeitgenössisch, aber man sieht, dass die Weberschlacht in Köln durchaus als wichtig wahrgenommen wurde, ist tatsächlich heute noch ein Teil der Kölner Identität.

Die Weber müssen sich zurückziehen, auch die Schmiede, die ihnen zu Hilfe eilen wollen, ziehen sich aus der Schlacht zurück.

Die alte Ratsregierung hat tatsächlich diese Weber-Schlacht für sich entschieden.

Henke von Turnen und einige Regelsführer der Weber werden hingerichtet.

Wer in der Befreiung Henken von Turnes teilgenommen hat, muss die Stadt verlassen.

Er hat allerdings mit seiner Familie noch freien Abzug, solange die Glocken von St. Maria am Kapitol schlagen.

Die Besitztümer der Weberzunft werden eingezogen, Leinwandhaus und Balkhaus werden niedergerissen.

Jeder Weber darf nur noch zwei Webstühle besitzen und pro Tuch eine Mark Tuchsteuer zahlen.

Die Anzahl der Webstühle in Köln wird auf 200 begrenzt, später wird es auf 300 erhoben.

Für die nächsten 20 Jahre herrschen wieder die Geschlechter über die Stadt.

Allerdings spalten sie sich um 1400 in die Parteien der Greifen und der Freunde.

1392 versuchen dann die Greifen, das Schöffenkolleg und die Richard Zeche zu entmachten, was zum Widerstandsseiten der Fraktion der Freunde führt, die den Weiten Rat festsetzt und teilweise lebenslange Freiheitsstrafen ausspricht.

Der Anführer der Freunde wiederum schafft es, durch sein Auftreten die Bürgerschaft gegen sie aufzubringen.

Das scheint so ein Ding zu sein in Köln bei neuen Stadtregierungen.

Er wird von Bürgern vom Pferd gezerrt, gefangen genommen und die Gaffeln, die sich bisher aus diesem Machtkampf zwischen den Patrizier herausgehalten hat, stürmen das Versammlungshaus der Freunde, nehmen über 100 Patrizier fest.

Und es wird ein probiosorischer Rat festgelegt, der den Kölner Verbundbrief aufsetzt.

Der Kölner Verbundbrief ist bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs die Verfassung der Stadt Köln.

Es wird ein Rat festgelegt, der aus 49 Mitgliedern besteht, von denen 36 aus den Stadtgaffeln sein sollen.

Ab sofort hat jeder Bürger Mitglied an der Gaffel zu sein.

Die Gaffel sind letztlich das, was auch den Bürgerstatus festlegt.

Und 13 weitere Ratsherren werden von diesen 36 unter den verdienten Bürgern der Stadt dazu gewählt.

Bei wichtigen und teuren Entscheidungen müssen außer dem Rat noch die 44 hinzugezogen werden.

Jeweils zwei aus jeder Gaffel, von denen es am Ende 22 gibt.

Und dieser Verbundbrief bleibt im Prinzip dauerhaft in Kraft.

Hier haben wir jetzt den Konflikt und die Lösung dazu.

Das ist in jeder Stadt unterschiedlich.

Das ist ganz, ganz schwierig zu sagen, wie dieser Konflikt zwischen Handwerkern und Patriziern am Ende auskommt.

In Nürnberg zum Beispiel haben wir das völlige Gegenteil.

In Nürnberg schaffen es die Patrizier, die Handwerker in Schach zu halten.

Zünfte werden verboten.

Nürnberg hat keine Zünfte.

Und die Macht in der Stadt liegt komplett in den Händen der Patrizier.

In anderen Städten haben wir ähnliche Abläufe wie in Köln.

Zum Beispiel in Frankfurt gibt es auch einen Aufstand der Handwerker, die versuchen, sich Teilhabe an der Stadtregierung zu erhalten, wobei wir da eben niemals kleine Handwerker haben.

Wir haben als Anführer dieser Aufstände fast immer Handwerker, die mittlerweile längst Verleger oder auch selbst Kaufleute sind, aber noch in den Zünften aktiv sind und die letztlich die Handwerker für sich einspannen und höhere Posten bekommen.

Und es ist fast immer so, dass nach ein oder eigentlich nach wenigen Jahren schon diese Anführer, die zwar erstmal Posten bekommen, danach wieder aus den Posten herausgedrängt werden.

Das schaffen in sehr, sehr vielen Städten, schafft es die städtische Elite, die wichtigen Posten lange, lange Zeit unter sich auszumachen.

Also wenn die Stadt als freie Stadt bestehen bleibt, dann auch bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches, wie zum Beispiel eben in Frankfurt das erste mit der Endung des Heiligen Römischen Reiches,

seine Zunftverfassung aufgibt und bis dahin genau dieselbe Zunftverfassung wie im Mittelalter hat.

Es gibt oft kleinere Veränderungen, aber im Großen und Ganzen bleiben die Verfassungen sehr, sehr ähnlich.

Wohin das führen kann, wenn es solche Streitereien gibt, sehen wir in Mainz.

Da sind wir im Jahr 1462.

Und das Schöne ist, jetzt habe ich auch viel, viel mehr Bildmaterial.

Wir sind jetzt in einer ordentlichen Zeit.

Mainz, hier aus der schwedischen Weltchronik, Sitz auch eines Erzbischofs und Kurfürsten, auch eine enorm wichtige Stadt, genau wie Köln eine alte römische Gründung, die sehr, sehr, sehr lange noch aktiv bleibt, also auch letztlich durchgehend Politik macht und durchgehend eine wichtige Stadt ist.

Und ähnlich wie in Köln gibt es hier ministeriale Geschlechter, die sich lange gegen die Beteiligung der Zunft wehren können.

Im 14.

Jahrhundert kommt es zu Zunftaufständen.

Danach gibt es einen alten und einen neuen Rat, die zwar getrennt sind, aber gemeinsam tagen.

Aber in Mainz haben wir das große Problem einer furchtbaren Misswirtschaft.

Es kommt zu einer erdrückenden Schuldenlast.

Sie müssen sich vor anderen Städten die Bücher öffnen.

Sie erbitten die Hilfe von Frankfurt.

Teilweise ist Mainz dann sogar komplett verpfändet.

Und das ist insofern ein Problem, dass auch Mainz immer im Konflikt mit ihrem Erzbischof liegen.

1459 wird Dieter von Isenburg mit knapper Mehrheit zum Erzbischof gewählt.

Er gewinnt oder er siegt über Adolf von Nassau-Wies-Baden-Itschstein, der wäre auch gern Erzbischof geworden, wird es aber eben nicht und beide sind Teile eines Bündnisses, die jeweils gegeneinander stehen.

Isenburg ist Teil eines Bündnisses gegen den Pfalzgrafen.

Seine Partei verliert allerdings die Schlacht von Pedersheim 1460 und er hat das Problem, dass er sogenannte Serviziengelder an den Papst hätte zahlen müssen.

Ein neu eingesetzter Bischof muss etwa ein Drittel seines Einkommens im ersten Jahr an den Papst bezahlen.

Der lässt sich diese Verleihung sehr, sehr gut bezahlen.

Und in dem Fall wären es 20.000 Gulden.

Die kann er erstmal nicht aufbringen.

Es kommt zum Konflikt mit der Kirche und Pius II.

hat man schon ganz oft.

Das ist dieser Eneo Silvio Piccolomini, ehemaliger Sekretär des Kaisers, der dann Papst wird.

Der bannt Dietrich von Isenburg und er nennt Adolf von Nassau-Wiesbaden-Itschstein zum Erzbischof, der sich Adolf II.

nennt.

Es gibt eine sehr schöne Handschrift, die ihm gehört hat, seine Pontifikale.

Da kann man es sehen, da wird er dargestellt bei der Priesterweihe.

Wunderschöne Anschrift, ist so aus dem Umfeld des Hausbuchmeisters auch.

Und da kann man natürlich sehr schön sehen, wie man sich so die Prachtentfaltung eines damaligen Erzbischofs so vorstellen kann.

Also hier passt eigentlich perfekt, die Bürger huldigen ihm, tolles Bild dazu.

Auch nach dem Wechsel haben wir immer noch zwei Bündnisparteien.

Adolf von Nassau ist verbündet mit dem Trierer Erzbischof Joachim von Baden, dem Bischof von Metz und dem Bischof von Speyer, Graf Ulrich V. von Württemberg, auch der vielgeliebte genannt, und dem Margraf von Baden.

Auf der anderen Seite steht der Stadtrat von Mainz, also wir sehen, deutlicher Konflikt, Dieter von Isenburg,

Ludwig von Nassau und Kurfürst Friedrich von der Pfalz.

Es kommt zum Badener Pfälzer Krieg.

Die Badener Seite fällt auf Pfälzer Gebiet ein, verwüstet ganze Landstriche, glaubt allerdings einem Gerücht, dass der Kurfürst von der Pfalz sich in Bayern aufhalten würde, um da an einer Fede teilzunehmen.

Dadurch geraten sie bei Seckenheim in eine Schlacht, in der sie nicht gerechnet haben.

Friedrich von der Pfalz gewinnt diese Schlacht.

Das ist ganz bekannt, so eine der wichtigsten oder in der letzten großen Ritterschlachten in der Region.

Da wird auch der Graf von Württemberg gefangen genommen.

Es gibt eine tolle Rittergeschichte dazu.

Und Friedrich von der Pfalz erhält den Beinamen der Siegreiche.

Hier haben wir Friedrich von der Pfalz in seinem Kurfürstenmantel.

Es gibt sogar in Maulbronn ein sehr schönes Glasfenster, das ihn in Rüstung zeigt.

Und noch viel schöner, seine Rüstung ist erhalten.

Die können wir uns hier anschauen.

Ist ein Mailänder Harnisch mit ein paar Veränderungen.

Das ist die Rüstung von Friedrich dem Siegreichen.

Jetzt sollte man denken, mit dieser Niederlage ist Adolf II.

am Ende.

Ist aber gar nicht so.

Die Niederlage steckt er gut weg und in diesem ganzen Gewirr schafft er es, am 28.

Oktober 1462 in die Stadt einzudringen.

Mit 500 Mann überwindet er die Mauer.

Angeblich war Verrat im Spiel, ist aber nicht ganz klar.

Und es kommt zu einem zwölfstündigen Gefecht in der Stadt.

Sie fordert etwa 400 Opfer, der Stadtrat muss nachgeben.

Die Stadt wird geplündert und am nächsten Tag werden die Bürger zusammengerufen.

Vermutlich glauben sie, dass sie einen Treueid auf ihren neuen Stadtherrn leisten müssen, aber der verweist 800 von ihnen in der Stadt.

Sie dürfen quasi mitnehmen, was sie tragen können.

Etwa 400 dürfen später zurückkommen, aber die anderen 400 werden dauerhaft der Stadt verwiesen.

Mainz verliert seinen Status als freie Stadt.

Und nach dem Tod Adolfs von Nassau wird ausgerechnet Dieter von Isenburg zum Nachfolger gewählt.

Und zwar, die Wahl, muss ich kurz erklären, wird in dem Fall durchs Domkapitel durchgeführt.

Dort sitzen die Chorherren, also wichtige Priester, auch meistens aus adligen Familien.

Die haben das Wahlrecht.

Das ist auch so eine Folge des ganzen Streits, des ganzen Investiturstreits.

Wer setzt die hohen Bischöfe ein?

Und letztlich ist das, was dabei rauskommt, im Großen und Ganzen, dass die

Die Domkapitel, sie wählen, wobei es immer wieder Einmischungen gibt, sowohl von kaiserlicher Seite als auch von päpstlicher Seite.

Wenn denen der Kandidat nicht gefällt, greifen sie ein und machen das Ganze rückgängig.

Aber in dem Fall wird dieser von Isenburg eben zum Nachfolger gewählt.

Um gewählt zu werden, überlässt er dem Domkapitel aber die ganze Stadt.

Also das Domkapitel beherrscht einige Zeit lang die Stadt bis 1476, da gibt es einen weiteren Aufstand, der beendet das Ganze, aber 1486 erklärt Kaiser Maximilian Mainz endgültig zur kurfürstlichen Landstadt, die direkt dem Erzbischof untersteht.

Die Schwierigkeiten oder der Zwist zwischen Patricia und Handwerkern führt hier dazu, dass die Stadt in Schwierigkeiten gerät.

Sie können sich nicht einigen, es gibt keine Einigung.

Sie gerät in Schulden und sie ist letztlich nicht mehr verteidigungsfähig genug, um sich gegen ihren Erzbischof oder ihren Herrn durchzusetzen, der mit einer relativ kleinen Truppe von 500 Mann es schafft, die Stadt einzunehmen.

Möglicherweise wäre das Ganze anders verlaufen, wenn die Bürger es geschafft hätten, sich wie in anderen Städten zu einigen, wenn sie wehrhaft genug gewesen wären.

Hier sehen wir eben das Herabsinken einer ehemals sehr, sehr wichtigen Stadt in letztlich die völlige Kontrolle des Stadtherrn.

Und das ist was wir, das habe ich im Hanse-Video schon mal angesprochen, das ist etwas, was wir gerade im 15. und 16.

Jahrhundert sehr, sehr häufig sehen.

Bei der Hanse ist es ja so, dass eine freie Stadt automatisch aus der Hanse ausscheiden muss und von weit über 70 Mitgliedern bleiben am Ende eine Handvoll Mitglieder übrig, die nicht irgendwie in unterstädtische Kontrolle kommen.

unter landesherrschaftliche Kontrolle kommen.

Gerade im 16.

Jahrhundert schaffen es die Territorialadligen, die Fürsten, ihre Länder zu konsolidieren.

Sie holen sich im Prinzip ihre Städte zurück und viele, viele Städte verlieren ihre ehemaligen Freiheitsrechte.

Ein paar Städte, die übrig bleiben, sind eben die wichtigen oder die bekannten Handelsstädte wie Bremen, Hamburg und Lübeck.

Es sind Städte wie Köln, die schaffen es durch die Neusser Fede noch nachträglich den Status einer freien Stadt zu erhalten.

Also wirklich erst sehr, sehr spät bekommen sie wirklich den Status einer

freien Stadt, auch gegen den Willen ihres Erzbischofs.

Der Erzbischof herrscht über die Kurlande Köln um Köln herum, aber die Stadt Köln sitzt mittendrin und ist eine eigene Körperschaft.

Das kann auch auf kleinstem Raum sein, also Friedberg in der Wetterau zum Beispiel, die Burg und die Stadt sind getrennt, sind zwei unterschiedliche Herrschaftsgebiete, obwohl sie direkt aneinander liegen, das ist überhaupt kein Problem.

Auch im Video über Städtebünde hatte ich es schon angesprochen.

Zum Beispiel Donauwörth wird einfach vom Kaiser verpfändet.

Also eine eigentlich freie Stadt verpfändet er einfach, gibt sie unter landesherrschaftliche Kontrolle.

Und das ist der Ausgangspunkt zur Gründung des Süddeutschen Städtebundes.

Um genau dieses Schicksal nicht zu ereilen, weil sie eben merken, dass sie immer noch der kaiserlichen Willkür ausgesetzt sind, schließen sie sich zusammen und bilden einen machtvollen Städtebund.

Zu Städtebünden habe ich, wie gesagt, ein anderes Video gemacht.

Da könnt ihr gerne mal reinschauen.

Aber es zeigt eben, wie prekär diese ganzen Rechte sind.

Auch wenn so Rechte verliehen werden oder erobert werden.

Viele dieser Rechte werden ja einfach in die Hand genommen, weil die Stadt sie sich jetzt selber gönnt.

Das sind immer Zahlungen mit verbunden.

Also der Kaiser ist letztlich der, der das abnicken kann.

Aber wenn jetzt zum Beispiel eine Stadt ein Recht auf Befestigung sich aneignet und dem Kaiser gegenüber das erbittet, dann lässt er sich das fast immer gut bezahlen.

Man kann eigentlich sagen, dass fast alle Rechte, die die Städte haben, nach und nach erkauft werden.

Wie gesagt, bei Leipzig haben wir das schön gesehen.

Obwohl sie besiegt wurden, schaffen sie sich Rechte anzueignen, die eigentlich einer freien Reichsstadt gebühren.

Alles gegen Zahlungen.

Letztlich alles gegen Geld.

Was wir ebenfalls immer wieder haben, auch wenn es selten zu wirklich großen Aufständen kommt, natürlich alle Arten von anderen Unruhen.

Also seien es Aufstände aus Gründen, dass irgendwelche Teuerungen anfallen.

Ist auch gerne, haben wir auch hier schon gesehen, ist gerne so, dass die Umlage von irgendwelchen Abgaben auf die Bürger dazu führt, dass Aufstände ausbrechen.

Wir werden später auch zum Beispiel Bieraufstände sehen.

Zumindest im späten Mittelalter taucht das auf, dass bei der Teuerung von Bieraufständen ausbrechen.

Ebenso haben wir in den Universitätsstädten auch durchaus Unruhen unterhalb dieser Ebene, Handwerker und Patrizier.

Zum Beispiel Studenten gegen Handwerker, das haben wir.

Ähm, äh, Studenten haben, sind ja auch meistens höher gestellte, äh, Söhne, äh, teilweise adelig und Studenten haben sehr oft das Recht, Waffen zu tragen.

Überhaupt ist die Universität fast immer ein eigener Rechtsbereich.

Da hat die Stadt wenig zu sagen.

Das haben wir heute zum Beispiel noch in angelsächsischen Ländern, dass Universitäten eine eigene Rechtshoheit besitzen.

Und das machen sie natürlich Studenten zunutze.

Und wenn es da Unruhen gibt, wie gesagt, die sind bewaffnet.

Die können damit auch meistens umgehen.

Und dann haben wir da durchaus sehr schnell Unruhen innerhalb der Stadt.

Das finden wir immer wieder mal.

Ich habe versucht, so ein bisschen darzustellen, wie komplex so die Stadtwerdung ist.

Also man hat so beim Mittelalter die Stadt immer vor Augen.

Ja, man hat da eben die Zünfte und das ist alles relativ üblich.

Tatsächlich ist fast jede Stadt anders.

Selbst die Namen, ob es jetzt Zunft heißt oder Gaffel oder Amt oder Bruderschaft, ist ganz, ganz unterschiedlich.

Wenn ihr in eurer Region mal ein bisschen in den Städten guckt, werdet ihr merken, dass die alle irgendwie eigene Bezeichnungen haben.

Auch die genaue Ausführung der Stadtverwaltung ist ganz unterschiedlich.

Zwei Bürgermeister ist häufig, man hat es nicht immer, ein innerer und ein äußerer Rat hat man auch relativ oft, aber man kann es nirgendwo festlegen.

Und letztlich, wer an der Macht beteiligt ist.

Ob es jetzt nur die Geschlechter sind, wie immer die sich nennen mögen, oder ob die Handwerker, also die Zünfte schon dazugekommen sind.

Und bei den Zünften muss man auch sehen, ein Teil davon sind Bürger.

Die wohlhabenden Handwerker sind Bürger, die haben das Bürgerrecht.

Die ärmeren Handwerker, die Gesellen, die Lehrlinge sind oft keine Bürger.

Die wirklichen, also alles unterhalb der Zunft, die Tagelöhne und ähnliche, die spielen bei dieser ganzen Sache fast keine Rolle, einfach weil sie nicht die Macht hat für so einen Aufstand.

Sie sind unbewaffnet, sie haben als Nichtbürger nicht die Pflicht, Waffen zu besitzen, sie haben nicht das Recht der Stadtverteidigung.

Und dementsprechend können sie sich eigentlich nicht groß werden.

Die Zünfte dagegen sind bewaffnet.

Zur Stadtverteidigung müssen die ja, zumindest die Teil der Zünfte, die Bürger sind, müssen Waffen und Rüstung besitzen, sind also sehr wohl in der Lage zu kämpfen.

Wir haben auch immer wieder städtische Aufgebote, die eben erfolgreich kämpfen.

Ob es jetzt Woringen ist, wo die Kölner Bürger kämpfen oder der Konflikt der Straßburger gegen ihren Bischof und bei der dann die Straßburger wie

Also zumindest ein Teil quasi in ritterlicher Ausrüstung aufs Feld gehen.

Man muss einfach klar werden, dass eine Stadt auch eine militärische Macht darstellt.

Und zum Beispiel im Weberaufstand, dass da Söldner eingesetzt wurden, ist durchaus ein kluger Schachzug.

Wie gesagt, wenn ihr in euren Städten euch umschaut, so ein bisschen Regionalgeschichte mal nachschaut, ihr werdet sehr, sehr oft solche Aufstände finden.

Irgendwelche Konflikte dieser Art.

Wir haben in Wismar Aufstände, wo es eine Zeit lang eine Selbstverwaltung der Handwerker gibt.

Das haben wir an ganz, ganz, ganz vielen Orten.

Das Ergebnis ist dann eben überall unterschiedlich.

Ob jetzt die Handwerker dauerhaft an der Regierung beteiligt werden oder nicht, ob es da Einigungen gibt oder nicht, das ist, wie gesagt, von Stadt zu Stadt vollkommen unterschiedlich.

Ich habe versucht, Beispiele zu geben, in denen die Bürger erfolglos sich gegen ihren Stadtherrn aufgelehnt haben, um dann trotzdem noch in den nächsten Schritten sich die Rechte zu sichern.

Ich habe Beispiele gezeigt, in denen die Städte letztlich scheitern und wieder unter die Kontrolle geraten.

Also das ist ein ganz, ganz breites Feld.

Und vor allen Dingen wollte ich einfach klar machen, wie unterschiedlich hier die Entwicklungen sind und wie spät sie teilweise auch stattfinden.

Also in Köln, Worms, haben wir schon im 11.

Jahrhundert einen Beginn einer bürgerlichen Selbstverwaltung.

In Frankfurt am Main erst im 14.

Jahrhundert.

Im 15.

Jahrhundert endet sie dann schon wieder in Mainz.

Also es ist ganz, ganz unterschiedlich, wie früh oder spät das ist.

Solange wir diese Selbstverwaltung nicht haben, solange zum Beispiel eine Königsstadt dem König direkt untersteht, haben wir dort ein Schuldheißenamt oder einen Vogt, der über die Stadt herrscht und dann haben wir auch noch die alten Rechte.

Bis dahin, bis wir oder solange wir so einen Schuldheißenamt oder Vogt haben, reden wir eigentlich von Unfreiheit.

Wir reden noch nicht von Bürgern, es ist noch weit von bürgerlicher Freiheit, Bürgerheit und ähnlichem und erst wenn die Städte es schaffen, diese Selbstkontrolle an sich zu bringen, dann können wir auch von Bürgern sprechen.

Im Fall von Frankfurt am Main

wird die Stadt im Prinzip selbst regiert, indem die Stadt das Schuldheißenamt, das verpfändet wurde, wenn der Kaiser kein Geld hat, dann verpfändet er eben auch solche Ämter und das schafft die Stadt Frankfurt an sich zu bringen.

Auch in Frankfurt gab es eine Art Zwingfestung des Schuldheißes auf dem heutigen Römerberg, ein Turm, der wird abgetragen als im Prinzip Zeichen, dass die Stadt sich jetzt selbst verwaltet und ab dann haben wir die bürgerliche Selbstverwaltung mit Bürgerrecht und allem, was dazu gehört.

Vorher gibt es ja immer

Anklänge, aber tatsächlich erst mit dieser Erwerb des Schuldheißenamts kommen sie wirklich selbst zu diesem Recht.

Wenn ihr in eurer Umgebung solche Beispiele habt, schreibt sie in die Kommentare.

Ich bin ganz gespannt darauf, was ihr beizutragen habt.

Ich habe jetzt eine kurze Liste gebracht.

Die Liste könnte viel länger sein, weil fast in jeder Stadt, wie gesagt, so etwas finden können.

Und wenn ihr bei euch solche Beispiele habt, schreibt sie in die Kommentare, lasst es mich wissen, würde mich sehr freuen.

Ich hoffe, der Film hat euch gefallen.

Was ich sehr lustig finde, ist, wie wenig Bildquellen wir am Anfang hatten, wie wenig Bilder ich zeigen konnte zum 11.

Jahrhundert und wie viele Bildquellen wir natürlich am Ende hatten in der Mainzer Stiftsphäle.

Nächste Woche hoffe ich, ein Video mit einem Gast zu haben, mit einem für mich ganz ungewöhnlichen Thema.

Da freue ich mich jetzt schon drauf und würde mich sehr freuen, wenn ihr dabei seid.

Schaltet wieder ein und bis dahin macht's gut und bleibt gesund.